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Gedenkstein (Feuerwehrzentrale)
1010, Am Hof 10

Text:
Den treuen Kämpfern gegen faschistische Gewaltherrschaft

Ing. Georg Weissel  † 15. 2. 1934
Ludwig Ebhart † 10. 3. 1944
Josef Schwaiger † 19. 3. 1944
Rudolf Haider † 21. 6. 1944
Hermann Plackholm † 31. 10. 1944
Johann Zak † 31. 10. 1944

Stifter: Feuerwehr der Stadt Wien
Gestaltet von Mario Petrucci
Enthüllung des Gedenksteins am 27. Oktober 1947 durch Bürgermeister Theodor Körner.

Ing. Georg Weissel (geb. 28. 3. 1899) gehörte der Akademischen Legion des Republikanischen Schutzbundes an und war Wachkommandant der Hauptfeuerwache Floridsdorf (Weisselgasse 3). Am Morgen des 13. Februar 1934 bewaffneten sich die Feuerwehrleute, die dem Schutzbund angehörten, unter der Führung von Ing. Georg Weissel, um für eine demokratische Republik zu kämpfen. Branddirektor Wagner alarmierte die Sicherheitskräfte, als er von der „Dienstverweigerung und Auflehnung“ in Floridsdorf erfuhr. Die vierte Kompanie der Alarmabteilung der Bundessicherheitswache trat in der Folge zum Sturm auf die Hauptfeuerwache an. 61 Feuerwehrmänner wurden als Gefangene abgeführt und die Feuerwache durch die Polizei besetzt. Weissel wurde vom Standgericht des Dollfuß-Regimes zum Tode verurteilt und am 15. Februar 1934 im Landesgericht Wien hingerichtet.

Die übrigen auf dem Gedenkstein Angegebenen waren Angehörige der kommunistischen Zelle innerhalb der Wiener Feuerschutzpolizei. 1943 wurden rund 70 Mitglieder dieser Widerstandsgruppe festgenommen. Vom 13. bis zum 25. März 1944 fand vor dem Obersten SS- und Polizeigericht in Wien die Hauptverhandlung statt, bei der fünf Feuerwehrleute zum Tode (drei davon wurden begnadigt) und weitere 41 zu Zuchthausstrafen verurteilt wurden (Tagesbericht Gestapo Wien Nr. 1 vom 1.–3. 4. 1944).
Ludwig Ebhart (geb. 3. 11. 1897) starb vier Tage nach seiner Haftentlassung an den Folgen der Misshandlungen durch die Gestapo.
Rudolf Haider (geb. 26. 7. 1896) wurde im Landesgericht Wien enthauptet.
Josef Schwaiger (geb. 13. 8. 1905) wurde im März 1943 festgenommen. Er verübte in der Untersuchungshaftanstalt Wien II Selbstmord durch Erhängen.
Zwei der zum Tode Verurteilten, Hermann Plackholm (geb. 2. 10. 1904) und Johann Zak (geb. 20. 6. 1903), wurden auf der Schießstätte Kagran erschossen.

Literatur/Quellen:
Fein, S. 42; Enthüllung der Gedenktafel für die gefallenen Feuerwehrmänner, in: Rathaus-Korrespondenz, 26. 10. 1947; Den Opfern der Wiener Feuerwehr, in: Arbeiter-Zeitung, 28. 10. 1947; Die Heldentafel der Feuerwehr. Die Gedenktafel Am Hof enthüllt, in: Österreichische Volksstimme, 28. 10. 1947; Bouzek, Helmut: Wien und seine Feuerwehr, Wien o. J.; Toman, Ernst: „... denn ich fürchte den Tod nicht!“ Wiener Feuerwehr im Widerstand gegen den Faschismus, Wien 1986.

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